Angeln im finnischen Schärengebiet

Region Vaasa

Robert Langford hat zwei Gebiete in Finnland getestet und hat erstaunliches erlebt.
Hier ist sein Bericht, erschienen in der Zeitschrift Blinker 03/2004.
Aber lesen Sie selbst.

Karte Vaasa

Als BLINKER-Chefredakteur, Richard Lütticken mich bat, ein neues Hechtrevier auszumachen – eventuell in Finnland – war ich anfangs skeptisch.
„Neue“ Angelreviere sind in Europa Mangelware, aber ein Blick auf Europas Landkarte sollte mir weiterhelfen: Skandinavien ist im Querschnitt keilförmig. Im Westen und Norden liegen die Steilküsten des Nordatlantiks, im Osten und Süden flache Meere und Seenlandschaften, die noch dabei sind, sich aus der Ostsee zu erheben. Schären und Fjorde sind Relikte der letzten Eiszeit, und weil alle meine Lieblingsreviere in Schottland und Irland auch von der letzten Eiszeit geformt wurden, hatten bei meiner Suche küstennahe Landschaften Priorität. Im Westen Finnlands, der Stadt Vaasa vorgelagert, fand ich eine solche Inselgruppe. Das Wasser um die Inseln ist bis zu 15 Meter tief, also noch relativ flach. Der Bottnische Meerbusen hat hier einen Salzgehalt von vier bis fünf Promille, und so treffen süßwassertolerante Fische aus dem Meer und salzwassertolerante Arten aus dem Süßwasser zusammen.
Hier finden die Hechte als Sichtjäger klares Wasser, Deckung und Futter. Im Winter gefriert das Wasser zwar, aber nicht bis zum Grund. Ein tolles Hecht-Revier, vermutete ich.
Das bestätigte ein Anruf bei Terttu Jauss, der Inhaberin der finnischen Reiseagentur Tujareisen in Deutschland. „Ja, es gibt Hechte, aber es mangelt an organisierten Angelreisen dorthin“. Das erstaunte mich, weil die Finnen selbst verrückte Angler sind. Trotzdem machte ich mich auf den Weg.
Im Flughafen von Vaasa wurde ich von Samuli begrüßt, der für den finnischen Fremdenverkehr arbeitet. Er hatte sich spontan bereit erklärt, mich zusammen mit seinem Freund Reijo zu begleiten und mir die anglerischen Vorzüge der Schären zu zeigen.

Vom Winde verweht

Am ersten Tag fuhren wir auf die Insel Lappörarna. Sie ist etwa fünf mal zwei Kilometer groß, flach und bewaldet. Wir wollten vom Boot auf typisch skandinavische Art mit Kunstködern angeln und begannen entlang der Nordküste der Insel. Unsere Ziele: tiefere Gräben zwischen Steinen und Geröll. So ließen wir uns vor dem Wind treiben, warfen unsere Köder an viel versprechenden Stellen aus und hofften auf ein paar große Fische, denn die Gebiete an der Außenküste werden häufiger von großen Renken- und Herings- Schwärmen aufgesucht. Ihnen folgen die Großhechte. Das böige Wetter erschwerte das Angeln. Des Öfteren stellte Reijo den Motor ab, um eine bestimmte Passage abzudriften. Hörte der Wind auf oder wechselte er die Richtung, musste Reijo ständig bereit sein, den Motor anzuwerfen, um uns von den Steinen weg zu manövrieren. Trotzdem fingen wir kräftige Freiwasserhechte bis 85 Zentimeter, bullig und stark mit kräftigen Köpfen und besonders großen Zähnen. Silberne Toby-Blinker schienen am
besten in das Beuteschema der Hechte zu passen. Samuli erzählte, dass die Hechte in den Außenbereichen der Inseln auf einen vorbei schwimmenden Futterfisch- Schwarm warten und ihn solange verfolgen, bis sie eine Mahlzeit erhascht haben. Dann ziehen sie sich wieder an ihre Standplätze zurück und warten wie Raubritter auf den nächsten Schwarm. Wegen der mobilen Futterfische können große Hechte fast zu jeder Zeit überall vor den Inseln auftauchen. Am Morgen des zweiten Tages beangelten wir die Nordwest-Küste der Insel Björkön. Dieses Gebiet war mir auf der Landkarte aufgefallen. Endmoränen prägen die Landschaft. Die oft mehrere Meter hohen Schichten aus kiesigem Gletschergeröll im Wasser bieten Futterfischen und großen Hechtdamen gleich ideale Bedingungen und Deckung.

Hechtangeln auf Sicht

Guter FangWieder fischten wir mit Kunstködern und genossen den schönen Sommertag in der mit Buschwerk und kleinen Bäumen übersäten Landschaft. Schwäne, Seeadler und Küstenseeschwalben waren allgegenwärtig. Wegen des kaum spürbaren Tidenhubs verursachte nur der Wind, der zwischen den Moränen wehte, leichte Strömungen. Oft beangelten wir kleine vom Wind abgeschirmte Buchten. Umstanden von Schilf und kleinen mit Moos behängten Bäumen wirkten sie geheimnisvoll, ja magisch. Das Wasser ist extrem klar, oft sahen wir Hechte beim Vorbeidriften. Solche Fische auf Sicht zu beangeln, ist ein besonderes Erlebnis. Wer „seinen“ Hecht mit der Fliege fangen möchte, findet hier ideale Voraussetzungen. Draußen zwischen den Felsen geht es rauer zu. Die Fahrrinnen sind mit Fahnen markiert, weil viele Steine nur wenige Millimeter unter der Oberfläche lauern. Bei leichtem Wellengang ist es einfacher, die knapp bedeckten Steine zu sehen, ohne Wellen helfen nur scharfe Augen und eine Polarisationsbrille. Die Einheimischen kennen ihre Gewässer aus dem Effeff und sind entsprechend vorsichtig, zumal den Inselbewohnern ihre Boote mindestens so wichtig sind wie anderen ihre Autos. Und zwischen den Felsen tobte das Hecht-Leben.
Jede Viertelstunde hatte einer von uns einen Fisch im Drill!
Und alle zwei Stunden mutierten die finnischen Hechte zu Bestien: Manchmal drillten wir drei Fische gleichzeitig. Schlitzte ein Fisch aus, wurde der Löffel sofort vom nächsten Hecht genommen.
Diese heißen Phasen beschränkten sich auf 20 bis 30 Minuten.

Kräftemessen bis aufs Blut

Hecht pur

Da konnten Verluste nicht ausbleiben: Mehrere Drills fielen zu Gunsten der Hechte aus, und ich stellte nach einer Weile fest, dass der Fuß meiner Stationärrolle mit Blut verschmiert war. Zahlreiche Hechte hatten bei den Handlandungen den einen oder anderen bleibenden „Ein-druck“ hinterlassen. Reijos Kommentar: „Das sieht eher nach einem Autounfall als nach einer Angelfahrt aus!“ Einmal verlor ich zehn Meter vorm Boot einen Hecht, aber sofort stieg ein anderer Fisch ein. Panikartig flüchtete er unter das Boot. Ich kurbelte wie ein Berserker. Als der Fisch unter dem Boot hindurch schoss, kam wieder Spannung auf die Schnur – zu viel. Der Haken schlitzte erneut aus. Dieses Mal zischte der Köder durch die Luft und landete genau zwischen meinen Augen – ein weiterer Grund, warum man als Schutz eine Sonnenbrille tragen sollte!

 

 

100 Hechte an einem Tag

Wir pausierten mehrmals, machten ein Lagerfeuer, um Kaffee zu kochen und die Mücken zu vertreiben. Reijo erwies sich als exzellenter Koch. Am Vorabend hatte er Hecht- und Barschfilets streng gesalzen und in Butter ausgebraten, die uns jetzt auf dem deftigen Vollkornbrot gut schmeckten. An diesem Abend übernachteten wir im Björkö Wärdshus, einer gemütlichen Herberge, die für Vereine und Gruppen optimal sein dürfte. Das historisch historisch eingerichtete alte Gehöft bietet Fremdenzimmer, die in den alten landwirtschaftlichen Gebäuden liegen. Als ich mich an die erhitzten Holzplanken der Sauna lehnte und Samuli nochmals Wasser auf die heißen Steine goss, bemerkte ich, wie sich meine Rückenmuskeln entspannten. Da erst wurde mir klar, dass wir an diesem Tag über 100 Hechte gefangen hatten! Im Schnitt Fische zwischen 70 und 80 Zentimeter, nur zehn unterschritten die 50-Zentimeter-Marke. Am nächsten Tag führte uns Reijo in offenes Wasser, das durchsetzt war mit kleinen Inseln und Felsen. Der Bewuchs der Inseln gestaltete sich lieblicher mit Wald und Weiden; die Buchten umgeben von Schilf und jungen Seerosen. Ein Hechtgewässer, das mir fast heimisch vorkam. Wenn wir einen großen Hecht fangen würden, dann hier.

Meterhecht und Kunstausstellung

"Toller Hecht"Zwei sehr große Fische folgten meinem Köder, drehten dann aber wieder ab. Trotzdem fingen wir an diesem Tag unseren größten Hecht von knapp einem Meter. Er hatte ebenfalls den Kuusamo- Blinker genommen. Nun war es an der Zeit, das Boot trotz der Untiefen und Steine heil zurück zu bringen und mit dem Auto unsere letzte Unterkunft aufzusuchen.

Im Fischerstädtchen Klobbskat erwartete uns die Künstlerin Anki Lindeman. Sie brachte uns mit einem Boot zu ihrer Insel, wo sie urige Blockhütten vermietet. Die Insel Finngrund liegt am Rande der Schären und ist Naturparadies und Freiluft-Kunstausstellung zugleich.
Überall begegnet man interessanten Kunstwerken, die zum Nachdenken inspirieren. Die Hütten sind großzügig angelegt, ohne fließendes Wasser, aber mit Strom. Etwas entfernt steht eine Sauna, die mit Holz beheizt wird. Das etwa 9 Grad warme Meer dient zur Abkühlung.
Neben der Sauna hängt ein faszinierendes Kunstwerk, ein über ein Meter großer Hechtblinker. Wir wurden am nächsten Morgen von Errki Laakso abgeholt, dem Manager von Kalles Inn, einem populären Ausflugslokal, das auch Fremdenzimmer bietet. Errki angelt auch gerne und arrangiert auch gerne Angelfahrten für Besucher. Habe ich nun ein neues Hechtrevier ausfindig gemacht?
Eigentlich nicht! Denn dieses Hechtrevier ist bereits vor Jahrhunderten von den Finnen selbst entdeckt worden. Aber diese so lebenslustigen und offenherzigen Menschen sind bereit, es mit uns zu teilen.

Angelpaket Vaasa, Mittel-Finnland

Leistungen
  • 2 Übernachtungen in den Vaasaer Schären in einer Hütte
    (max. 5 Personen, eigene Sauna, Badezimmer)
  • inklusive Bettwäsche und Handtücher
  • Professionelle Angeleinweisung mit einem Angelführer für 3 Stunden (1-4 Pers.)
  • inklusive Boot
  • Angelerlaubnisse

Preis bei 4 Personen ab € 191,-
Extranacht € 25,-
Mit Übernachtung im Haupthaus im DZ inkl. Abendsauna & Vollpension € 297,-

Picto

Angeln in Lappland